EM 2016 Spielanalyse: Spanien – Italien 0:2

Turek FotoAutor: Steven Turek
Tore: Chiellini (33. Minute) – Pele (90.)

Italien taktiert sich zum Sieg!

Ballbesitzfußball gegen Konterfußball. Angriffsmaschine gegen Defensivbollwerk. Filigraner Stil gegen eisenharten direkten Fußball. Dieses Spiel hatte viele Überschriften und bot viele interessante Einblicke, nicht nur in taktische Belange. Am Ende sichern viele Kleinigkeiten Italien den knappen Sieg.

Italien nervt Spanien – aber so richtig!

In Zeiten des „zwischen den Linien spielen“ und des „Anbieten und Freilaufen“ bot Italien eine Offensivtaktik, die man so in der Form das letzte Mal bei der EM 2012 gesehen hat. Welche Mannschaft war es damals? Richtig, Italien. Die Rede ist von zwei parallel und vor allem mannorientierten spielenden Stürmern (damals übrigens Cassano und Balotelli).

Beispiel: Pelle und Eder orientieren sich stark an Pique und Ramos und bieten so eine Möglichkeit für das Spiel auf den zweiten Ball, indem der eine Stürmer, den Ball auf den anderen ablegt.

EM 2016 Spielanalyse: Spanien – Italien 0:2 - Bild 1

EM 2016 Spielanalyse: Spanien – Italien 0:2 – Bild 1

Eine ähnliche Szene führte schließlich auch zum 1:0 bzw. zum Freistoß, in der Pelle an Ramos angespielt wird, sich rumdreht und gefoult wird.

Spanien irgendwie nicht spanisch!

Die größte Fähigkeit im spanischen Spiel über die letzten Jahre war das Erkennen, Anlaufen und Ansteuern sich öffnender Räume. Gerade in der ersten Halbzeit war Spanien dazu so gut wie gar nicht in der Lage.

Beispiel 1: Der Ball ist im rechten Halbraum. Italien schiebt mann-orientiert heraus und entblößt eigentlich einen riesigen Raum im Rücken (blau). Da sich allerdings kein spanischer Spieler, Morata oder Juanfran, in diesen Raum bewegt, gerät Busquets unter Druck und diese Szene bleibt ungenutzt.

EM 2016 Spielanalyse: Spanien – Italien 0:2 - Bild 2

EM 2016 Spielanalyse: Spanien – Italien 0:2 – Bild 2

Beispiel 2: Iniesta hat den Ball auf links. Im Zentrum entsteht ein riesiger freier Raum, der wieder ungenutzt blieb.

EM 2016 Spielanalyse: Spanien – Italien 0:2 - Bild 3

EM 2016 Spielanalyse: Spanien – Italien 0:2 – Bild 3

Normalerweise sind es genau solche Szenen, die direkt von Spanien bestraft werden. Nicht immer durch Tore, das ist gar nicht notwendig. Aber diese Lauf- und Passwege haben einen Einfluss auf das Verteidigungsverhalten des Gegners, der sich in der nächsten Szene sicherlich anders verhalten muss. Damit tragen solche Situationen eigentlich zur spanischen Dominanz bei – eigentlich.

Was Italien gut tat, hätte Spanien gegen Italiens 5er Kette ebenfalls gutgetan – Körperliche Präsenz im Sturmzentrum und Mannorientierung. Morata bot in den ersten Spielen eigentlich genau dies, konnte seine Fähigkeiten in diesem Bereich aber nicht abrufen (wahrscheinlich auch wegen der nicht ganz angenehmen Verteidiger, gegen die er spielte.). Im Beispiel weicht er weit aus dem Zentrum heraus.

EM 2016 Spielanalyse: Spanien – Italien 0:2 - Bild 4

EM 2016 Spielanalyse: Spanien – Italien 0:2 – Bild 4

Spanien kommt langsam ins Spiel – Italien macht alles was nötig ist!

Dass Italien gut verteidigen kann, ist keiner besonderen Erwähnung mehr wert. Dass sie es abrufen werden, sobald es notwendig und sinnvoll wird, ebenso wenig.

Beispiel: Italien steht geordnet mit 5er Kette und kann alle Spieler zwischen den Ketten mann-orientiert verfolgen.

EM 2016 Spielanalyse: Spanien – Italien 0:2 - Bild 5

EM 2016 Spielanalyse: Spanien – Italien 0:2 – Bild 5

Die Hereinnahme von Motta (54.) unterstrich diese zusätzlichen Defensivambitionen.

Dass Spanien sich trotzdem so langsam in einen Rausch spielte, merkte man nicht zu Letzt am unruhigen und aktiven Eingreifen des italienischen Trainers Conte.

EM 2016 Spielanalyse: Spanien – Italien 0:2 - Bild 6

EM 2016 Spielanalyse: Spanien – Italien 0:2 – Bild 6

Den zunehmenden Rhythmus der Spanier konnte Conte aber nicht nur dadurch (zumindest zum Teil), sondern auch durch die verbleibenden Wechsel mit etwas zeitlichem Abstand, leicht brechen. Ein-Mann-Angriffe der italienischen Stürmer halfen ebenfalls.

Dass die Partie am kommenden Samstag schließlich Deutschland gegen Italien heißt, war der ein oder anderen Heldentat und einem Konter in letzter Minute zu verdanken.

Fazit: Die Tendenz, dass keiner wirklich gegen Italien spielen will, setzt sich auch in den K.O. Spielen fort. Italien hat sicher nicht die besten Fußballer im Turnier, achtet dafür aber auf jedes mögliche Detail und ist mit allen Wassern gewaschen. Schade nur, dass die beiden besten Mannschaften des bisherigen Turniers schon im Viertelfinale gegeneinander spielen.

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