EM 2016 Spielanalyse: Kroatien – Portugal 0:1

Turek FotoAutor: Steven Turek
Tore: Quaresma (116. Minute)

115 Minuten Langeweile – 5 Minuten Aktion!

Sehr lange mussten die Zuschauer der Partie warten, um wirklich attraktive oder spannende Spielszenen zu sehen. Letztlich entscheidet ein Konter ein komplett höhepunktloses Spiel zu Gunsten Portugals.

Entertainment geht irgendwie anders!

Dass der Spielplan eine vielleicht sogar historische Möglichkeit für den Gewinner dieser Partie bereithielt, merkte man beiden Mannschaften vor allem im Spielaufbau an. Beide Mannschaften gingen wenig Risiko, nutzte beim kleinsten Anfall von gefährlichen Umschaltsituationen, taktische Fouls und schlugen schlichtweg lange Bälle.

Beispiel 1 – Portugal: Portugal ist im Spielaufbau. Der Ball ist sicher im Zentrum, anstatt weiter hoch zu schieben (und nach innen zu schieben) bleiben Fonte und Guirreiro im sicheren Abstand zum kroatischen Mannschaftverbund stehen. Sorgt für Sicherheit, aber für sonst höchstens für Langeweile.

EM 2016 Spielanalyse: Kroatien – Portugal 0:1 - Bild 1

EM 2016 Spielanalyse: Kroatien – Portugal 0:1 – Bild 1

Beispiel 2 – Kroatien: Um den Spielaufbau Kroatiens nachhaltig zu stören, wurde die Schaltzentrale Modric situativ in Manndeckung genommen. Das reichte häufig schon aus, um dem Spielmacher den Zugang zum Ball zu verwehren und einen geregelten Spielaufbau zu verhindern.

EM 2016 Spielanalyse: Kroatien – Portugal 0:1 - Bild 2

EM 2016 Spielanalyse: Kroatien – Portugal 0:1 – Bild 2

Anmerkung zu der Szene: Mandzukic machte nicht immer die beste Figur. Hin und wieder gab es direkte Passwege in die Spitze, die er schlichtweg nicht besetzte (wie im Bild). Andererseits zeigte er sich für einen Flachpass, wenn er lieber in die Tiefe hätte sprinten sollen.

Beispiel dazu: In der 88. Minute wird Kalinic eingewechselt. In seiner ersten Aktion zeigt er einen Laufweg, den Mandzukic so nur selten in seinem Repertoire hat.

EM 2016 Spielanalyse: Kroatien – Portugal 0:1 - Bild 3

EM 2016 Spielanalyse: Kroatien – Portugal 0:1 – Bild 3

Folglich war die einzige wirkliche Möglichkeit der ersten Halbzeit ein Freistoß (25.).

2. Halbzeit und die Einigkeit auf eine Verlängerung!

Die zweite Halbzeit spiegelte eigentlich ziemlich genau die erste wieder, wenngleich die Hereinnahme von Renato Sanchez den Portugiesen im Zentrum mehr Ballsicherheit und spielerische Elemente gab. Durchaus erwähnenswert war die sehr disziplinierte Defensivvorstellung aller Portugiesen, die keine gute Möglichkeit Kroatiens zugelassen hat (zur Not durch das ein oder andere Foul).

(Rand)Notiz: Renato Sanchez, neuer Spieler des FC Bayern München, zeigt viele unglaublich gute Ansätze für einen 18-jährigen. Ballsicher, technisch sicher, gutes Auge und eine körperliche Präsenz und Souveränität, die vielleicht sonst nur Pogba ausstrahlt.

Man einigte sich bereits früh in der zweiten Halbzeit darauf, dass das Spiel nicht nach 90 Minuten entschieden sein soll und höchstens ein Standard für ein wenig Unruhe sorgen konnte. Letzteres traf jedoch nicht ein und die Verlängerung war die logische Konsequenz.

Wirklich fulminant wurde es erst ab Minute 116. Erst sorgt eine Flanke Kroatiens für die beste Chance, dann stürzt das Auslassen dieser Chance Kroatien ins Unglück. Renato Sanchez bekommt denn Ball im Zentrum (Kroatien ist zu dem späten Zeitpunkt nicht mehr gut hinter dem Ball organisiert), dribbelt so lange wie möglich auf seinen Gegenspieler zu, spielt den Pass im letzten Moment auf Nani, Nani spielt den Ball diagonal auf Ronaldo. Den Abpraller verwertete schließlich Quaresma mit einem Kopfball.

Persönliche Anmerkung: Ich bin überhaupt kein Freund von Statistiken im Fußball – ganz im Gegenteil, weil sie einen großen Teil der Wahrheit außer Acht lassen. In diesem Fall spricht der Fakt, dass in 115 Minuten kein einziger Schuss auf eines der Tore zu sehen war, Bände. Die folgenden fünf Minuten entschädigten nicht wirklich. Bleibt nur zu hoffen, dass die weiteren Spiele den Zuschauern keinen berechtigten Grund für ein Pfeifkonzert geben…

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