EM 2016 Spielanalyse: Belgien – Irland 3:0

Steven Turek

Steven Turek

Autor: Steven Turek
Tore: Lukaku (48. und 70. Minute) – Witsel (61. Minute)

Belgien überrennt Irland

Nach schwerem Auftakt im ersten Spiel gegen Italien und einer mäßigen ersten Halbzeit schlägt Belgien Irland letztlich deutlich mit 3:0. Lukaku trifft doppelt.

Ein anderer Gegner – die Probleme in Ballbesitz bleiben!

Wie bereits im ersten Gruppenspiel gegen die (ungleich stärkeren) Italiener präsentierte sich der Favorit Belgien in der ersten Halbzeit fahrig und unpräzise im Angriffsspiel. Wiederum präsentierten sie sich ohne wirkliche Lösung gegen einen kompakt verteidigenden Gegner.

Beispiel 1: Belgien hat den Ball im Zentrum und spielt den Ball von einer Seite zur anderen. In der gesamten Sequenz zeigt sich Lukaku nicht ein einziges Mal in den Fuß anspielbar. Hier in diesem Standbild versteckt er sich sogar regelrecht hinter dem irischen Innenverteidiger. Das macht es ungemein schwieriger, Räume in der tief stehenden Abwehr zu finden. Zeigt sich Lukaku regelmäßig offen, kann er für sich einen Weg zum Tor freiblocken, den Ball ablegen oder strahlt zumindest Gefahr aus, die durch das Schließen von Passwegen (und damit dem preisgeben anderer Räume im irischen Verbund) respektiert werden muss.

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Belgien will (und muss) ins Laufen kommen!

Was in Ballbesitz nicht klappt, soll im Umschalten klappen. In Kontersituationen bereiteten vor allem die individuellen Fähigkeiten von De Bruyne den Iren Kopfschmerzen. Allerdings auch nicht ohne das Zutun der Verteidigung Irlands.

Beispiel 1: Nach einer Ecke wird der Ball geklärt und fliegt in Richtung Lukaku. Bereits in diesem Moment scheint das Kind in den Brunnen gefallen. Lukakus Gegenspieler ist zu weit weg, um einen Kopfball in den freien Raum zu verhindern. Das Zentrum der Iren hat sich nicht an De Bruyne orientiert. Was folgt, ist ein gefundenes Fressen für den belgischen Superstar und das 3:0 von Lukaku.

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Dass Belgien konsequent versucht, über ihr Umschaltspiel Tore zu erzielen, zeigt ihre grundsätzliche Stafflung bei gegnerischen Ecken. Bei Ecken der Iren positionieren sich alle zehn Feldspieler im Strafraum – De Bruyne am Strafraumrand. Für den Fall, dass der Torwart den Ball abfängt, finden De Bruyne und Hazard riesige Räume vor, die der Torwarte per Abwurf ansteuern kann. Das hohe Tempo der Spieler Belgiens macht es beinahe unmöglich solche Situationen gut zu verteidigen.

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Und trotz dieser Ausrichtung auf Konterangriffe ließ es Belgien, außer De Bruyne und Hazard, vermissen, offene Räume konsequent anzusprinten.

Beispiel 1: Der Ball wird im Zentrum nach vorne getragen (gelb). Anstatt die Lücken in der gegnerischen Kette anzulaufen und somit eine Aktion auszuführen, die eine Reaktion der Iren erfordert, laufen zwei Belgier auf gleicher Höhe mit und hoffen auf ein kurzes Anspiel.

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Beispiel 2: De Bruyne hat im Zentrum den Ball erhalten und steht nicht unter Druck. Anstatt die Lücke in der Verteidigung anzulaufen, begnügt sich Dembele (rot) damit neben (!) De Bruyne stehen zu bleiben. Der Rechtsverteidiger Meunier wähl (vielleicht auch deswegen) einen viel zu breiten Laufweg. Im weiteren Verlauf wird er von De Bruyne eingesetzt, steht aber zu weit außen für einen gefährlich Abschluss.

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Dass Belgien letztlich es doch noch schaffte, ein Tor gegen einen geordneten Gegner zu erzielen, lag dann doch eher an dessen Unordnung und Passivität.

Beispiel: Hazard hat den Ball im rechten Halbraum. Belgien hat das Sturmzentrum nicht besetzt. Es gibt keinen Grund für Ward (irischer Linksverteidiger), nicht breiter zu verteidigen. Diesen Sicherheitsabstand hält er weiter ein. Der Ball wird zum Strafraumeck zurückgelegt und auch hier wird kein Druck ausgeübt. Axel Witsel erzielt nach der Flanke das 2:0 und entscheidet das Spiel.

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Fazit: Letztlich schenkte Irland Belgien die Räume, die sich auch brauchten. So konnten die Belgier ihre brutale Qualität im Umschalten zeigen. Für den weiteren Turnierverlauf stellt sich die Frage, ob Belgien auch gegen Mannschaften mit besserer Restverteidigung (z.B. Deutschland) erfolgreich sein kann.


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